Bibel spirituell gelesen

Das Buch Ezechiel beschreibt in seinen ersten drei Kapiteln die Berufung des Propheten und seine Schau des himmlischen Thronwagens. So zeigt sich ihm die Herrlichkeit Gottes, und er erfährt von seiner Berufung, als Menschensohn zu seinem Volk zu gehen. Über die Volksgenossen in der Zerstreuung soll er wachsam sein. Er hat Gottes Wort auch angesichts aller menschlichen Widerständigkeit zu verkünden. In der jüdischen Tradition hat sich aus der Vision des Ezechiel die Mystik der himmlischen Paläste und des göttlichen Throns entwickelt, die sogenannte Merkava-Mystik. Ihre Bildkraft wirkt sogar in der Philosophie des Maimonides nach, wenn er sein Palastgleichnis formuliert. Auch Franz Kafka steht mit «seinem Schloss» in dieser Bildtradition. Christlicherseits hat wiederum die Mystikerin Theresa von Avila ihre innere Welt mit dem Bild der Seelenburg beschrieben. Vor allem aber wurde der von vier Symbolwesen getragene Thronwagen Gottes mit den vier Evangelien verbunden, worin die Herrlichkeit Gottes auf dem Antlitz Jesu aufscheint. Ez 1 – 3 spirituell zu lesen, führt in eine atemberaubende Wirkungsgeschichte.